#22 Entwicklung eines humanistischen Wirtschaftsmodells

Diesen Beitrag habe ich 2022 für einen Wettbewerb der Non-Profit-Organisation «Open Philantrophy» (Link zum Beitrag) geschrieben. Gewonnen habe ich damit allerdings nichts. Da ich die Idee aber nach wie vor sinnvoll finde, teile ich sie nun auch noch hier in meinem Blog. Die Hoffnung stirbt zuletzt 😉

Open Prompt

Aufbau eines Netzwerkes von Unternehmen, welche nach einem effektiv altruistischen Wirtschaftsmodell (EAEM) wirtschaften, kombiniert mit der finanziellen Förderung sinnvoller Geschäftsideen von Menschen in Armut lebend, zur Reduktion von Armut und ungleicher Einkommens- und Vermögensverteilung.

1. Ziele der hier vorgebrachten Idee:

1.1 Die Entwicklung und Promotion eines effektiv altruistischen Wirtschaftsmodells (EAEM) soll bereits erfolgreich wirtschaftende Unternehmen dazu veranlassen, ihr Wirtschaftsmodell zu evaluieren und durch eine Variante des im folgenden angedachten EAEM zu ersetzen. Dies mit dem Ziel ein Netzwerk von effektiv altruistisch wirtschaftenden Unternehmen aufzubauen, welche bereit sind einen Teil ihres wirtschaftlichen Erfolgs als Startkapital an sinnvolle Geschäftsideen zu verschenken, welche bereit sind ebenfalls nach dem EAEM zu wirtschaften. Dies in der Hoffnung, dass das Netzwerk bzw. die globale EAEM-Familie dadurch wächst und immer mehr Menschen von diesem Netzwerk aufgefangen werden bzw. einen Arbeitsplatz darin finden.

1.2 Der im Folgenden beschriebene Wettbewerb soll Menschen in Armut lebend dazu motivieren, dem Wohl empfindsamer Lebewesen dienende Geschäftsideen zu entwickeln und diese öffentlich zu teilen. Dies in der Hoffnung, dass ihre Idee Förderer findet, welche ihnen das nötige Startkapital spenden unter der Bedingung, dass sie bereit sind nach dem EAEM zu wirtschaften. Dies würde bei einem finanziellen Erfolg dazu führen, dass auch das neue EAEM-Unternehmen Fördergelder als Startkapital für andere Geschäftsideen zur Verfügung stellen könnte.

2. Das Problem bzw. deren Wichtigkeit

2.1 Armut

Die Reduktion von Armut ist das erste Ziel der UN sustaineble development goals, welche 2015 in der Agenda 2030 beschlossen wurde. Dies aus gutem Grund. Einerseits weil sehr viele Menschen davon betroffen sind, und andererseits, weil Armut sehr viele und gravierende negative Konsequenzen für die Betroffenen beinhaltet. Die Anzahl von in extremer Armut (< 1.90 dollar/day) lebenden Menschen konnte laut Angaben der UN von 36% im Jahr 1990 (1900 Millionen Personen) auf 10% (739 Millionen Menschen) im Jahr 2015 reduziert werden. Durch die COVID-Pandemie wird nun aber erwartet, dass erstmals seit 1998 die Anzahl an in extremer Armut lebenden Menschen wieder ansteigen wird. Mehr als 700 Millionen Menschen, das sind fast 10 Prozent der Weltbevölkerung, müssen also auch heute immer noch in extremer Armut leben und haben Mühe, die grundlegendsten Bedürfnisse wie Gesundheit, Bildung und Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen zu erfüllen, um nur einige zu nennen (1).

2.2 Ungleichverteilung von Lohn und Vermögen

Das zehnte Ziel der UN sutaineble development goals stellt einen universellen Aufruf zur «Verringerung der Ungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern» dar, wobei das Ziel 10.1 auf die «Verringerung der Einkommensungleichheiten» ausgerichtet ist. Die Einkommensungleichheit, das heist, das Ausmaß, in dem die Wirtschaftsleistung ungleich auf die Bevölkerung verteilt ist, hat seit der Jahrhundertwende in fast allen Regionen der Welt zugenommen. In der wissenschaftlichen Literatur wird Einkommensungleichheit seit langem als sozioökonomisches Problem betrachtet, das mit einer Vielzahl von negativen Folgen verbunden ist. Die zunehmende Einkommensungleichheit wird als schädlich für das Wirtschaftswachstum und die nachhaltige Entwicklung angesehen. So kann eine ungleiche Einkommensverteilung beispielsweise zu höheren Kriminalitätsraten führen und sogar zu terroristischen Handlungen motivieren. Es wurde auch festgestellt, dass eine grössere Einkommensungleichheit in engem Zusammenhang mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustands, einem eingeschränkten Zugang zu Bildung, fortgesetzter sozialer Diskriminierung, wachsender Unzufriedenheit in der Arbeiterklasse und der Entstehung von Antiglobalisierungsstimmung steht (2).

3. Entwicklung eines effektiv altruistisches Wirtschaftsmodell

Wettkampf erachte ich in der Regel als etwas Sinnvolles. Sowohl im Sport als auch in den meisten anderen Bereichen erscheint es mir sinnvoll, sich gegeneinander zu messen und nach Verbesserung zu streben. Nicht primär um besser als seine Gegner zu sein, sondern um sich selbst weiterzubringen und gemeinsam Verbesserungen in diversen Bereichen zu erzielen. In wohl jedem Wettbewerb sollte es aber ein paar Regeln geben, welche für einen fairen Wettbewerb sorgen und die Regeln, welche aktuell global im „Neoliberalen Wirtschaftsmodell“ herrschen, erscheinen mir oft nicht sinnvoll gesetzt zu sein, wenn wir das Ziel haben das Wohl möglichst vieler Menschen und anderer empfindsamer Wesen zu fördern. Das zentrale Ziel, welches wir meiner Ansicht nach durch unser Handeln verfolgen sollten. Aktuell erscheint mir eher wirtschaftlicher Gewinn und maximaler Reichtum das angestrebte Ziel vieler Unternehmen zu sein.

Auch J.E.Stiglitz stellt sich 2019 die Frage «What kind of economic system is most conducive to human wellbeing? “.

Und kommt zu folgendem Zwischenfazit:

„After neoliberalism – For the past 40 years, the United States and other advanced economies have been pursuing a freemarket agenda of low taxes, deregulation, and cuts to social programs. There can no longer be any doubt that this approach has failed spectacularly; the only question is what will – and should – come next.” (3).

Einige dieser Missstände zeigt zum Beispiel der Global Wage Report 2020-21 auf, welcher festhält, dass 266 Millionen Lohnempfänger weniger als den Mindestlohn erhalten. Besonders davon betroffen sind Frauen, junge Arbeitnehmer, Arbeitnehmer mit geringerer Bildung, Arbeitnehmer in ländlichen Gebieten und Arbeitnehmer mit unterhaltsberechtigten Kindern. Ebenfalls hält der Report fest, dass Mindestlöhne nicht immer auf einem angemessenen Niveau sind und nicht regelmässig angepasst werden (4).

Oder eine Studie der WHO und der ILO hält 2021 fest, dass im Jahr 2016 ca. 488 Millionen Menschen bzw. 8.9% der Weltbevölkerung langen Wochenarbeitszeiten (≥55 Stunden/Woche) ausgesetzt waren. Dies führte zu geschätzten 745’000 Todesfällen und 23 Millionen behinderungsangepassten Lebensjahren durch ischämische Herzkrankheiten und Schlaganfällen (5).

Die Einkommensungleichheit hat in den letzten Jahrzehnten laut dem 2018 erschienenen Bericht zur weltweiten Ungleichheit in fast allen Weltregionen zugenommen. Die Autoren sind der Überzeugung, dass die wachsende Ungleichheit zu verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen führen kann (6).

Diese Missstände sollten wir meiner Meinung nach angehen, indem wir ein sinnvolleres und trotzdem wettbewerbsfähigeres Modell entwerfen, welches sich meiner Vermutung nach, durch seine Sinnhaftigkeit dann hoffentlich auch durchsetzen wird, bzw. weniger regulierte, auf maximalen Reichtum ausgelegte Modelle verdrängen wird. Wie also könnte ein solches Modell aussehen?

3.1 Model 1 für ein effektiv altruistisches Wirtschaftsmodell

Ein relativ einfach umsetzbares EAEM für Unternehmen existiert bereits teilweise mit dem “Companies pledge” (7). Darin verpflichtet sich ein Unternehmen mindestens 10% seiner Gewinne für Wohltätige Zwecke zu spenden. Gut möglich, dass es noch andere, ähnliche Initiativen gibt. Ihnen gemeinsam ist die Strategie mit einem festgelegten Prozentsatz der Gewinne die effektivsten Hilfsorganisationen zu unterstützen. Ein in meinen Augen hervorragendes Model und ich danke allen Unternehmer*innen, welche daran teilnehmen.

Der hier vorgeschlagen Ansatz weicht insofern davon ab, dass er die Gewinne nicht (nur) an die effektivsten Hilfsorganisationen spenden würde, sondern (zumindest einen Teil davon) an die vielversprechendsten Geschäftsideen von Menschen in Armut lebend, welche nach demselben Wirtschaftsmodell wirtschaften möchten.

Wenn wir es schaffen sinnvolle, sich selbst tragende Unternehmen aufzubauen, dann schaffen wir dadurch Arbeitsplätze und ermöglichen den darin arbeitenden Menschen auf eigenen Beinen zu stehen. Durch die steigende Anzahl an involvierten Unternehmen würde auch die zu verteilenden Gewinne stetig zunehmen und dadurch die erreichte Anzahl an Menschen wachsen.

Das erste EAEM verlangt also von einem Unternehmen einen bestimmten Prozentsatz seiner Gewinne als Startkapital für sinnvolle Geschäftsideen von Menschen in Armut lebend zu spenden, welche bereit sind nach demselben EAEM zu wirtschaften.

In der Einfachheit dieses Modells sehe ich seinen grossen Vorteil.

3.2 Modell 2 für ein effektiv altruistisches Wirtschaftsmodell

Das erste EAEM ist mir selbst aber noch etwas zu wenig stark reguliert und so schlage ich noch ein paar zusätzliche Rahmenbedingungen vor, wie ein zweites EAEM aussehen könne. Grundsätzlich sollten aber meines Erachtens die EA-Community oder andere interessierte Menschen ein sinnvolles, EAEM entwickeln, welches stehts auch offen für Anpassungen bleiben sollte und vielleicht auch je nach Land oder Situation verschiedene Formen annehmen kann.

Folgende Grundsätze erachte ich als sinnvoll:

  • Die Förderung des Wohls im Unternehmen, für alle Mitmenschen und andere empfindsame Wesen und damit verbunden das Vermeiden von möglichst vielem Leid ist oberstes Ziel einer sinnvollen Geschäftsidee bzw. von Geschäftshandlungen.
  • Die ausbezahlten Löhne für alle Mitarbeitenden sollten ein menschenwürdiges Leben ermöglichen (Mindestlohn), gleichzeitig aber nach oben gedeckelt sein (Maximallohn). Dies würde die Lohnschere verringern und Ausbeutung verhindern.
  • Unternehmen die Gewinne erwirtschaften, verschenken einen beträchtlichen Teil ihres Gewinnes an Firmengründungen, welche nach demselben Wirtschaftsmodell wirtschaften möchten und eine sinnvolle Geschäftsidee vorweisen können, das benötigte Startkapital aber nicht aufbringen können (vorzugsweise an Menschen in Armut lebend).
  • Die Finanzen (Löhne, Einnahmen, Ausgaben, Spesen), die Geschäftspartner und Lieferketten sind öffentlich auszuweisen, um eine möglichst hohe Transparenz zu gewährleisten.

Mögliche Spezifikationen:

  • Die Einnahmen des Unternehmens werden zu Beginn wie folgt verwendet: Zurückzahlen von externen Schulden (die Schenkung der EAEM-Firma gehört nicht dazu.). Danach zurückzahlen von privat eingebrachtem Vermögen von Unternehmensgründern. Sind alle Schulden abbezahlt, wird das Einkommen gleichmässig (nach Stellenprozenten) auf alle Mitarbeitenden aufgeteilt, bis jede*r Mitarbeiter*in den Landesmedianlohn (Mindestlohn) erhält (muss evtl. je nach Land angepasst werden).
  • Die darüber hinaus anfallenden Gewinne werden zuerst genutzt um in der Startphase des Unternehmens nicht bezahlte Arbeitsstunden zum Mindestlohntarif an Mitarbeiter*innen zu begleichen. Am Aufbau eines Unternehmens betätigte Mitarbeiter*innen, welche aus idealistischen Gründen ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, sollen damit ihre geleistete Arbeit zurückvergütet erhalten, sobald das Unternehmen gewinnbringend wirtschaften kann.
  • Sind alle Schulden abbezahlt und die geleisteten Arbeitsstunden seit der Firmengründung vergütet, und kann jeder*jedem Mitarbeiter*in der Landesmedianlohn ausbezahlt werden, wird der darüber hinaus anfallende Gewinn durch zwei geteilt. 50% dieses Geldes wird nach Abzug von Unternehmenssteuern als Startkapital für Firmengründungen gespendet, welche nach demselben Modell wirtschaften möchten. Die restlichen 50% des Gewinnes werden verwendet für Investitionen in die Firma, Rückstellungen und/oder als Bonuszahlungen an die Mitarbeitenden. Dabei beträgt der Maximallohn eines jeden Mitarbeitenden inkl. Firmenleitung das Vierfache des Landesmedianlohns des reichsten Landes (auch dieser Wert kann natürlich angepasst werden). Dies würde voraussichtlich langfristig zu einer Angleichung der weltweiten Löhne führen.
  • Unternehmen, welche Startkapital in dieser Form geschenkt erhalten, verpflichten sich nach demselben Modell zu wirtschaften. Wenn sie aus diesem Wirtschaftsmodell aussteigen möchten, was erlaubt sein muss, sind sie verpflichtet mindestens das erhaltene Startkapital an ihre Geber*in zurückzuzahlen, welche das Geld an andere Ideen vergeben wird. Geht ein Unternehmen bankrott, haben sie aber keine Schulden gegenüber der Spende des EAEM-Unternehmens.
  • Der Unternehmensbesitz bleibt in Unternehmensbesitz, sollte die Unternehmensleitung abtreten. Die neue Unternehmensleitung wird durch die abtretende Leitung bestimmt oder falls von dieser gewünscht, oder bei vorzeitigem Ableben, demokratisch durch die Mitarbeitenden gewählt. Es soll sich dadurch kein privater Reichtum durch Vererbung anhäufen. Dies würde zu einer Verringerung der Vermögensungleichverteilung führen.

Dies sind die zentralen Ideen, wie ich mir ein sinnvolles EAEM vorstellen könnte. Ob dies so umsetzbar ist, kann ich leider nicht abschätzen und würde mich über Inputs und Verbesserungsvorschläge Ihrerseits freuen.

4. Lancierung eines Wettbewerbes zur Förderung von Unternehmertum von Menschen in Armut lebend:

4.1 Ablauf

Lancieren sie einen Wettbewerb mit einem von ihnen bestimmten Förderbetrag mit folgenden Vorgaben: Gesucht werden sinnvolle Geschäftsideen, welche versuchen das Wohl von Menschen und/oder anderer empfindsamer Wesen zu fördern. Bewerben dürfen sich primär Menschen, welche in Armut leben. Diese müssen ihre Idee per Videobotschaft auf einem weltweit öffentlichen Video-Portal präsentieren. Darin muss folgender Inhalt vorhanden sein: 1.Name und Land, 2.Geschäftsidee 3.Begründung, weshalb diese Idee ihrer Ansicht nach das Wohl von Menschen oder anderer empfindsamer Wesen steigert, 4.benötigtes Startkapital und Begründung über deren Verwendung und Zeithorizont, 5.Begründung wieso sie das Startkapital nicht selbst aufbringen können (Schilderung ihrer finanziellen Situation), 6. Kontaktdaten

4.2 Wieso primär Ideen von Menschen in Armut unterstützen

Menschen in Armut fehlt es primär an Geld, mit welchem sie ihre Grundbedürfnisse befriedigen können. Menschen in Armut fehlt es aber nicht mehr oder weniger an Ideen wie Menschen mit ausreichend Geld. Das fehlende Geld verhindert potenziellen Unternehmer*innen ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Nur das fehlende Geld ist für ihre Ohnmacht verantwortlich, nicht ihre persönlichen Fähigkeiten. Hier sollten wir (Menschen mit ausreichend finanziellen Mitteln) ansetzten und in den Kreisen von Menschen in Armut lebend die realistische Idee und Hoffnung verbreiten, dass die Chance besteht, dass wir sie finanziell unterstützen werden, wenn sie eine sinnvolle Geschäftsidee zum Wohle empfindsamer Wesen vorweisen können. Menschen in Armut erhalten dadurch die Möglichkeit nicht mehr als passive Bedürftige wahrgenommen zu werden oder sich entsprechend zu fühlen, sondern als Ideenerzeuger und Visionäre und Teil einer Bewegung zu werden, welche zum Wohl empfindsamer Wesen wirtschaften möchte.

Sollte es ein*e geförderte*r Unternehmer*in schaffen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen, wird sie*er nach meiner Vermutung auch eher dazu bereit sein einen Teil ihres*seines wirtschaftlichen Erfolges an Menschen in Armut lebend weiterzugeben, da sie*er aus persönlicher Erfahrung weiss, wie der andere Mensch sich fühlt.

4.3 Wieso öffentlich Bewerben

Meine Hoffnung besteht darin, dass nicht nur die Initianten dieses Wettbewerbs sich nach sinnvollen Geschäftsideen umschaut, sondern auch viele andere Menschen oder Institutionen, welche sich in der glücklichen Lage sehen finanzielle Unterstützung leisten zu können und Teil dieser Bewegung werden möchten. Wenn wir es schaffen diese Idee weltweit zu streuen und Menschen in Armut lebend sich aus ihrer Anonymität befreien und sich zeigen mit sinnvollen Geschäftsideen, dann bin ich guten Mutes, dass immer mehr Menschen mit genügend finanziellen Mitteln sich als Teil einer globalen Familie sehen, welche es nicht länger akzeptiert, dass Teile ihrer Familie verhungern, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder Bildung haben und vieles mehr.

4.4 Wieso persönlich vortragen

Unternehmer*innen sind Führungspersönlichkeiten, die es schaffen Mehrwert zu generieren. Einerseits durch das Produkt oder die Dienstleistung, welche hoffentlich dem Wohl empfindsamer Wesen dient und andererseits vor allem auch durch die Arbeitsplätze, die sie schaffen, welche anderen Menschen eine Lebensgrundlage bieten, sofern die Anstellungsbedingungen menschenwürdig gesetzt sind. Ein*e Unternehmer*in übernimmt Verantwortung und ist das Gesicht eines Unternehmens. Wenn nun ein*e potenzielle*r, in Armut lebende*r Unternehmer*in vor die Kamera tritt, übernimmt auch sie*er die Verantwortung für ihre*seine Idee, tritt aus der Anonymität hinaus und gibt der Armut ein Gesicht mit dem wir uns einfacher verbinden können. Ebenfalls geben wir Menschen in Armut lebend dadurch auch die Chance einen Beitrag zum Wohle von uns allen zu leisten, denn eine Idee ist gratis und jeder kann sie haben.

4.5 Wieso mit einem effektiv altruistischen Wirtschaftsmodell

Wie eine Blume, die ihre Samen in ihrer Umgebung verstreut in der Hoffnung, dass diese wachsen werden, um die Verbreitung ihrer Art fortzuführen, sollten wir meiner Meinung nach auch ein sinnvolles EAEM aufbauen. Ziel dieses Modells sollte es sein, dass jeder Mensch der dies möchte, eines Tages darin einen Arbeitsplatz findet. Ich erhoffe mir, dass wir es schaffen gewinnbringende Unternehmen aufzubauen, oder bereits existierende davon zu überzeugen, nach einem EAEM zu wirtschaften, welches beinhaltet, dass ein Teil seiner Gewinne wie Samen verteilt werden an sinnvolle Geschäftsideen, welche eines Tages hoffentlich auch auf eigenen Beinen stehen werden und an der Verbreitung dieses EAEM mithelfen können. Durch dieses System könnten wir nach meiner Vermutung von unten, langsam, aber stetig, immer mehr Menschen auf der gesamten Erde erreichen und dadurch hoffentlich Armut und zu starke ökonomische Ungleichverteilung verringern.

5. Bildliche Darstellung der Idee und des Ziels

6. Videographische Darstellung der Idee

Meine hier vorgetragene Idee habe ich versucht im Jahr 2021 selbständig zu realisieren und habe einen Wettbewerb mit einer Fördersumme von 21’000 USD ausgeschrieben. Gerne können sie das hier verlinke Video (8) dazu anschauen, um die soeben vorgetragene Idee in einer mehr bildliche Sprache zu sehen. Mein Aufruf verlief allerdings ohne Erfolg und ich konnte keine einzige eingereichte Geschäftsidee finden und habe das Geld deshalb wie versprochen GiveDirectly.org gespendet. Ich erhoffe mir aber, wenn eine besser vernetzte und nach Aussen glaubwürdiger wirkende Organisation wie sie, einen solchen Wettbewerb durchführen, es hoffentlich die von mir erhoffte Bewegung in Gang setzt.

7. Benötigte Ressourcen:

Es würde mich sehr freuen, wenn sie einen von ihnen definierten Betrag als Wettbewerb ausschreiben würden, sofern sie diesen sinnvoll finden und ihre Kosten-Nutzenrechnung dies legitimiert.

Weitere Kosten die anfallen würden:

  • Zeit/Lohnkosten zur Ausarbeitung eines sinnvollen EAEM.
  • Zeit/Lohnkosten zur Sichtung der eingegangenen Anträge.
  • Zeit/Lohnkosten zur Kontaktaufnahme/Prüfung und Übergabe/Transfer des Geldes an die Gewinner.

8. Wirksamkeit

Ich erachte mich aktuell nicht in der Lage eine sinnvolle Kosten-Nutzen-Rechnung zu machen und hoffe, dass Sie dies tun werden, wenn sie denn die hier vorgetragene Idee überhaupt sinnvoll finden.

Was ich ihnen anbieten kann sind folgende Gedanken:

Die Hilfsorganisation GiveDirectly.org schneidet in Untersuchungen (9) ziemlich gut ab, was ihre Kosten-Nutzen Bilanz betrifft, wird sie doch nach wie vor von GiveWell.org unter den Top-Charities geführt (10).

Indem wir Menschen in Armut einen bestimmten Geldbetrag geben, welchen sie frei einsetzen können, sorgen diese dafür, dass das Geld auch sinnvolle Verwendung findet. Der hier vorgetragene Ansatz unterscheidet sich meines Wissens darin, dass Menschen in Armut nicht ‘zufällig’ ausgesucht werden, sondern diese mit ihren Geschäftsideen bereits aufzeigen, wofür sie das Geld verwenden werden und ebenfalls ein Versprechen abliefern, dass sie eines Tages, sollten sie finanziellen Erfolg haben, einen Teil davon bereit sind weiterzugeben. Dadurch erhoffe ich mir, dass dieser Ansatz langfristig sogar eine besser Kosten-Nutzen-Bilanz haben wird, als dies GiveDirectly aktuell erreicht.

Damit die Kosten-Nutzen-Rechnung aufgeht vermute ich, dass wir eher Geschäftsideen mit wenig benötigtem Startkapital unterstützen sollten als Ideen, welche viel Startkapital benötigen. Durch die breite Streuung ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass einige der Ideen auch Samen tragen werden und somit das Modell im Laufe der Zeit weiterverbreitet wird, bzw. mehr Geld verteilt werden kann.

Ein weiterer Effekt könnte sein, dass Menschen in Armut lebend durch diesen Wettbewerb dazu angeregt werden, sinnvolle Geschäftsideen zu entwickeln, welche sie ohne den Wettbewerb nicht gesucht hätten. Selbst wenn sie (was ich nicht hoffe) keine externe finanzielle Unterstützung erhalten, werden sie es vielleicht eines Tages selbst schaffen, das benötigte Startkapital zu sparen und damit allenfalls ein tragfähiges Unternehmen aufbauen, welches ihnen und ihren Angestellten eine Lebensgrundlage bietet.

Auch der oben genannte Punkt 4.3 könnte nach meiner Vermutung einen positiven Effekt haben, sofern er nicht die Spendenbereitschaft von Menschen für andere sinnvolle Projekte reduziert, welche eine bessere Kosten-Nutzen-Bilanz aufweisen.

9. Tractability / Durchführbarkeit und offene Fragen

Ich denke dieser Vorschlag ist umsetzbar. Ein Wettbewerb in dieser Form ist relativ einfach auszuschreiben und mit ihrem Netzwerk hoffentlich auch leichter verbreitbar. Als Vorarbeit muss sich eine Expertengruppe aus Menschen mit ethischem und wirtschaftlichem Wissen darauf einigen, mit welchem EAEM der Wettbewerb ausgeschrieben werden soll (Modell 1, Modell 2 oder Alternativmodell). Ich bin überzeugt, dass Sie in den Kreisen von OpenPhilantrophie exakt die Personen hätten, welche dazu in der Lage sind.

Anschliessend heisst es abwarten und sehen ob Anträge eingehen. Damit die Einträge gefunden werden, kann zum Beispiel ein Hashtag gewählt werden, welcher im Titel des Antragvideos aufgeführt sein muss. Beispiele wären: #OpenPhilanthropyBusinessIdeeTrophy, #OpenPhilantrophyTeamHuman oder andere.

Eine Schwierigkeit vermute ich darin, dass wir zulässige Anträge, von Menschen in Armut lebend, von solchen unterscheiden können, welche eigentlich das Startkapital selbst aufbringen könnten. Längerfristig erhoffe ich mir, dass wir in jedem Land einige Unternehmen haben, welche nach diesem Modell wirtschaften und eine gewisse Kontrolle übernehmen können. Oder vielleicht gibt es längerfristig auch in jedem Land eine zuständige Gruppe/Organisation, welche vor Ort Augenschein nehmen kann.

Ebenfalls besteht die Gefahr, dass zwar sinnvolle Geschäftsideen vorgetragen werden, welche zum Beispiel auch von einer anderen Person ‚abgeschaut‘ wurde, aber gar nicht die Absicht besteht, diese Idee dann auch in die Tat umzusetzen, bzw. einfach an das Geld zu kommen. Um diese Gefahr zu reduzieren könnte man das gesprochene Geld in Tranchen überweisen, wenn man sieht, dass die Person tatsächlich versucht ihre Idee umzusetzen.

Das Suchen nach sinnvollen Geschäftsideen könnte sich als schwierig bzw. zeitaufwendig herausstellen. Ich habe 2021 meine Idee in mehreren Facebook-Gruppen zur Unterstützung von Menschen in Armut geteilt und darin leider sehr viele und sehr plumpe Einträge gesehen und keine einzige sinnvolle, mir seriös erscheinende Anfrage gelangte an mich.

Auch die Geldübergaben an Personen in Armut lebend könnte sich als schwierig erweisen, ohne allzu viel Geld für die Kontaktaufnahme und Überweisung zu verschwenden. Gibt es weltweit mögliche, kostengünstige Zahlungssysteme zu welchen auch Menschen in Armut lebend Zugang haben? Gibt es vielleicht Organisationen, welche die Geldverteilung koordinieren könnten?

10. Vernachlässigung

Das Problem der Armut und der Ungleichverteilung des Reichtums ist bestens bekannt und wird von vielen Organisationen auf unterschiedliche Weise angegangen. Der hier vorgetragene Vorschlag aus der Kombination einer Förderung von Unternehmertum durch Spenden (und nicht Mikrokrediten) für Menschen in Armut lebend, verbunden mit einem EAEM ist mir aber bis jetzt nicht bekannt und ich hoffe deshalb, dass er neuartig ist und nach Prüfung von ihnen sich vielleicht sogar als eine sinnvolle Möglichkeit herausstellt, um die Armut und die Lohn- und Vermögensschere zu verringern.

11. Danksagung

Vielen Dank an Open Philanthropy, dass sie diesen Wettbewerb anbieten und Menschen wie mir die Möglichkeit bieten, ihre Ideen zu teilen. Ich hoffe, dass viele sinnvolle Ideen eingehen und möglichst viele davon eines Tages in die Realität umgesetzt werden. Es gibt leider noch so viel Leid auf unserer Erde, aber ich bin zuversichtlich, dass wir Menschen Wege finden werden, dieses in absehbarer Zukunft zu reduzieren. Vielen Dank, dass Sie einen sehr wertvollen Beitrag dazu leisten. Ich wünsche ihnen gutes Gelingen bei all ihren Projekten.

Herzlich

Thomas (T😉m) Schwendener

Qelle:

  1. https://www.un.org/sustainabledevelopment/poverty/
  2. https://link.springer.com/article/10.1007/s11366-021-09772-1
  3. https://www.economics.utoronto.ca/gindart/2019-05-30%20-%20After%20neoliberalism.pdf
  4. https://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/—dgreports/—dcomm/—publ/documents/publication/wcms_762534.pdf
  5. https://reader.elsevier.com/reader/sd/pii/S0160412021002208?token=453772D9C8420C78AE01E6368EF080F5C9369A9417358E9EB3FF755DE1DDBA164B12DB2B2310921F2745342BBCCCD52E&originRegion=eu-west-1&originCreation=20220723071320
  6. https://wir2018.wid.world/files/download/wir2018-summary-german.pdf
  7. https://www.givingwhatwecan.org/blog/companies-pledge-10-percent-of-profits-to-effective-charities
  8. https://youtu.be/ar-QAXX-FAg?si=aorDIlRkCJItyVEO
  9. https://www.givedirectly.org/wp-content/uploads/2019/11/General-Equilibrium-Effects-of-Cash-Transfers.pdf
  10. https://www.givewell.org/charities/top-charities
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